Katrin Geelvink
 Chansons, Musikkabarett und Mikrodramen 

Lobhudeleien





Allround-Talent mit Stimme und Cello

Katrin Geelvink bringt Publikum im Stiftsplatz-Theater mit humorigem Soloprogramm zum Lachen

von Svea Wenderoth


„Herdecke. Auch wenn es bei Katrin Geelvinks Cello-Chanson-Soloprogramm im ausverkauften Herdecker Stiftsplatz-Theater ums Einschlafen ging, blieb das Publikum hellwach. Die ungewöhnliche Verknüpfung von Cello-Spiel, Gesang, kleinen Geschichten und Lyrik machte ein Wegnicken unmöglich. Entsprechend unkonventionell war auch der Titel des Programms: „Schade Scheherazade“. Auch wenn man Scheherazade mit Geschichten aus „Tausendundeiner Nacht“ verbindet, suchte man solch orientalische Verbindungen bei Geelvinks Auftritt vergebens. 


Kummer-Hotline

„Den Titel habe ich zum einen gewählt, weil Scheherazade - genau wie ich auch - Geschichten erzählt. Zudem enden diese - wie auch in meinem Programm - nicht immer glücklich, so dass das Wort  ,schade’ ganz passend ist. Zum anderen fand ich diesen Titel einfach amüsant und einprägsam“, begründet Geelvink schmunzelnd ihre Wahl.

In ihrem Programm sucht sie - zur Bewältigung von Schlaf-, Liebes- und Karriereproblemen - Hilfe bei der Sorgen-, Kummer- und Nöte-Hotline. Sowohl die Probleme als auch die Lösungsansätze der stetig wechselnden Telefonistinnen sorgten für herzhafte Lacher im Publikum. „Die Telefonhotline habe ich als roten Faden für mein Programm gewählt, weil das ständige dort Festhängen ein Problem ist, das jeder kennt“, so Geelvink.

„Eine Frau, ein Cello, ein Dialog“ heißt es in der Ankündigung. Das beschreibt den Rahmen zwar schon ganz treffend, doch gibt das Programm noch viel mehr her. Neben dem Cello kamen vor allem ihre Stimme und manchmal sogar Steppschuhe zum Einsatz. An einzelnen Stellen band sie zudem das Publikum mit ein. So koordinierte sie während des Singens und Cello-Spielens in Multitasking-manier auch noch die Einsätze des Publikums. Dies sei selbst für erfahrene Cellisten eine Herausforderung, sodass sie allle Lieder immer wieder üben müsse.

Neben ihren humorvollen Chansons gab es zwischendurch immer wieder auch rein instrumentale Stücke. „Ein Bach eignet sich nicht nur wunderbar als Einstieg in das Programm, sondern ist auch eine sinnvolle Unterbrechung, um dem Publikum einen Moment der Besinnung zu ermöglichen.“ Doch spätestens bei diesem Auftritt wurde eindrucksvoll bewiesen, dass ein Cello nicht nur klassische Musik „kann“. Selbst das Abseilen einer Spinne, das Mischen von Karten und die Töne einer Telefontaste konnte Geelvink mit ihrem Instrument imitieren.

Pfälzisch und Ostfriesisch  


In ihrem Programm schlüpfte sie außerdem in verschiedene Rollen.

Diese grenzte sie nicht nur stimmlich und musikalisch voneinander ab, sondern stellte dabei auch ihr schauspielerisches Talent unter Beweis. So waren die verschiedenen Telefonistinnen, die in ihrem Programm auftauchten, jeweils durch ihre charakteristische Art und Ausdrucksweise, aber vorallem auch durch ihren Dialekt, voneinander zu unterscheiden. „Dabei kommen mir unter anderem meine familiären Wurzeln zugute, durch die ich den pfälzischen und ostfriesischen Dialekt mitaufgesogen habe“, erklärt Geelvink.

Die intelligenten und wortwitzigen Pointen brauchten manchmal einen kurzen Moment, um beim Publikum zu wirken, doch die Lacher kamen garantiert.“


Westfalenpost, 13.08.2018